Vandale und Getriebe

Es ist nicht das erste Mal, dass die Rolltreppe zum Bahnsteig beziehungsweise zurück an die Oberfläche nicht funktioniert, einmal die Woche ist Standard. Es ist auch nicht das erste Mal, dass das Störungssignal oder jedwedes fehlende Signal genervtes Stöhnen oder gar aggressive Gesten hervorruft. Es ist nicht das erste Mal, dass der Pfosten an der Rolltreppe zum Abreagieren herhalten muss.

Schon als wir um die Ecke biegen, bemerkt er das verräterische Leuchten an der Rolltreppe, das uns den Weg absperrt. Sein fester Fußtritt an den Pfosten, der die Frechheit besitzt, eben jenes rote Signal fröhlich von sich zu geben, ist die logische Konsequenz. Einem Ohnmächtigen muss man gehörig eins um die Ohren wischen, als Wiederbelebungsversuch oder letzten Abschiedsgruß.

Es scheppert, der blecherne Pfosten vibriert, die Rolltreppe schweigt. Ein breitschultriger, breitbeiniger Mann stapft die Treppen hoch. Seine ebenso breitschultrige, jedoch um einen Kopf kürzere Begleitung huscht besorgt zum Pfosten. Das Störungssignal leuchtet ungestört, die Rolltreppe schweigt, das blecherne Kleid des Pfostens steht stramm.

Ein paar Stunden und professionelle Streicheleinheiten später schnurrt die Rolltreppe wieder. Vier Tage später, pünktlich zum Wochenende, dann wieder fröhliche Regungslosigkeit. Meine Freundin und ich werfen uns einen vielsagenden, dem Pfosten einen mitleidigen Blick zu.

4. Oktober 2016, Hamburg Underground

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