Du bist schön

Manchmal möchte ich mich einfach auf meinem Sitz nach vorne lehnen und der Person mir gegenüber sagen, wie schön ich ihren Schal finde. Und den Mantel, der ist fantastisch. So wie heute. Oder letztens das rockige Mädchen mit den wunderschönen Haaren. Und diese schwarzen Augen!

Oder das Pärchen am Wochenende. Der Blick, den er ihr von der Seite zuwirft, wie seine Lider sich sanft senken und er sie betrachtet, während sie mit großen, roten Augen in die Ferne starrt, sie plagen extreme Kopfschmerzen, sagt sie, mit der porzellanweißen Haut, und er legt seine Hand auf ihre, presst die Lippen aufeinander und schenkt ihr ein Augenglitzern.

Wie gern hätte ich ihnen ins Gesicht geschrien, wie schön sie sind! Dem jungen Mann, der nochmal kehrtmacht und den Kinderwagen die Treppe runtertragen hilft. Der Erzieherin, die die ausgestreckte Hand des Mädchens über den Mittelgang entgegennimmt, während sie mit dem Rest der Truppe die beste Schlafenszeit diskutiert. Dem Typen mit dem Discman.

Manchmal reicht es mir nicht, ihnen eine Geschichte zu widmen, ich möchte sie ihnen persönlich schenken. Und dann wälze ich mich nachts in den Schlaf. Mit einer diffusen Idee. Ich bastle Visitenkarten oder Postkarten, Zettelchen mit kleinen Botschaften.

Eine #DuBistSchön-Guerilla-Kampagne. Eine kleine Aufmerksamkeit beim Vorübergehen. Ein kurzer Blickkontakt mit anerkennendem Nicken. Ein Souvenir unserer Begegnung. Eine Erinnerung an die Schönheit der Menschen. Deine Schönheit.

Doch dann hab ich Angst, dass der Zauber verloren geht. Unsere Begegnung auf der Meta-Ebene ihren Halt verliert. Und so beobachte ich dich weiter im Verborgenen, lasse unsere Welten kollidieren, blicke mit leuchtenden Augen in die Funken dieses Urknalls und hoffe, dass auch dich diese Energie, Aura, oder wie auch immer man es nennen mag, erreicht.

Oder sollte ich es doch wagen?

Update: Es wird gewagt. Hier geht’s zur Kampagne.

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15 Gedanken zu “Du bist schön

  1. Wusste ich es doch – nur lesenswerte Autoren ;).
    Im Ernst….dein Blog ist in meinem Reader untergegangen und bei obigem Text tut mir das richtig leid. Er ist wunderschön. Und wunderschön ist der liebevolle Blick auf die Menschen, die dich umgeben.

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  2. Ich übe, auf das Positive zu schauen und es wahrzunehmen. Ich habe gelernt, meine Mitmenschen eher kritisch zu betrachten und sie leider auch abzuwerten. Vielleicht tun wir das, um uns selbst ein Stückchen besser zu fühlen. So ein Quatsch. Wenn ich das Schöne im anderen sehe, nehme ich es ja in mir auch viel leichter wahr.

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    1. Wer das Positive und Schöne selbst in den scheinbaren Makeln entdeckt, dem glitzern vor Wundern und Zaubern die Augen. Wie einem Kind.
      Vorhin beobachtete ich einen jungen Mann, dem auf dem Weg zum Mülleimer der Wind den Müll aus den Händen riss. Doch er jagte hinterher. Jagte verbissen seinen Prinzipien hinterher. Bückte sich, lief im Zickzack. Natürlich war es lustig, doch vor allem fand ich es schön. Ich hätte ihm für seinen Einsatz danken können.
      Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem viel Spaß beim Entdecken der kleinen Schönheiten. Deinen Schönheiten.

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